Frührentner: Zahl der „Zugänge“ seit 2002 gestiegen

Bundesweit müssen Jahr für Jahr mehr als 170.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen vor dem Erreichen des Rentenalters aufgeben. Die Zahlen für M/V erfragte kürzlich der NPD-Abgeordnete Stefan Köster.  
 
2011 lebten im Nordosten 62.530 Frauen und Männer, die, wie es so hübsch im Amtsdeutsch heißt, zum „Rentenbestand wegen verminderter Erwerbsfähigkeit“ zählen. So richtig interessant wird es bei den Rentenzugängen der vergangenen zehn Jahre. Hier ist durchaus eine Steigerung zu verzeichnen. Die heutige (turbokapitalistische) Arbeitswelt mit ihrer schrankenlosen Konkurrenz, den oft langen Fahrtzeiten zum Arbeitsort und  wachsenden Zukunftsängsten fordert ihren Preis.

Jahr Rentenzugänge
wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
 
  weiblich männlich
2002 2.223 2.946
2003 2.218 2.939
2004 2.137 2.891
2005 2.118 2.553
2006 2.097 2.632
2007 2.196 2.812
2008 2.301 2.943
2009 2.585 3.150
2010 2.747 3.330
2011 2.793 3.407

Quelle: Landtagsdrucksache 6/1050, basierend auf der Statistik der gesetzlichen Rentenversicherung
 
Ganz oben stehen bei den Ursachen psychische und Verhaltensstörungen. Sie machen bei den „Rentenzugängen“ seit 2002 stets rund ein Drittel aus. Viele Erwerbstätige mußten wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes aus dem beruflichen Leben ausscheiden (jeweils zirka 20 Prozent). Auch Krankheiten des Kreislaufsystems stets über zehn Prozent) sowie Neubildungen (Krebserkrankungen/14-15 Prozent) spielen eine maßgebliche Rolle.
 
Keine Angaben zu besonders betroffenen Berufszweigen 
 
Weiter wollte der NPD-Abgeordnete Köster wissen, welche Branchen bzw. Berufszweige hauptsächlich betroffen gewesen sind. „Der Landesregierung liegen dazu keine Informationen vor“, heißt es.
 
Keine Angaben kann die Landesregierung auch zur Zahl derjenigen erwerbsgeminderten Personen machen, die nach Ablauf der Drei-Jahres-Frist bzw. nach ärztlicher Untersuchung wieder in den Arbeitsprozeß integriert worden sind. Auch liegen keine Zahlen zu jenen Frührentnern vor, die sich anrechnungsfrei 400 Euro („Mini-Job“) hinzuverdienen oder die einer selbständigen Tätigkeit nachgehen.
 
Dabei wäre es durchaus von Intteresse, darüber Näheres zu erfahren, zumal sich die vollen Erwerbsminderungsrenten oft unter der 500-Euro-Marke bewegen. Aber wie heißt es in einem Heftlein der Deutschen Rentenversicherung so schön? „Wenn Sie wegen einer schweren oder chronischen Krankheit gar nicht mehr oder nur noch stundenweise arbeiten können, zahlt Ihnen die Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen eine Rente wegen Erwerbsminderung. Damit soll erreicht werden, daß Sie Ihren Lebensstandard nicht wesentlich einschränken müssen“ – was auch immer sich hinter „wesentlich“ verbergen mag. 
zurück | drucken Erstellt am Freitag, 14. September 2012

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