Angst vor der freien Rede und auserwählte Versprechen?

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland auf Reisen in Lübtheen.

Am Dienstag, 21. August, besuchte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, die kleine, beschauliche Stadt Lübtheen. Die erste Station bestand im Besuch der örtlichen Regionalschule. Seitdem die NPD sich als echte Opposition etabliert hat, wird der kleine Lindenort endlich auch wahrgenommen. Es folgen regelmäßige Besuche sogenannter Verantwortungsträger dieser Republik. Fast alle kommen mit großen, aber meist leeren Versprechen.
Im Gespräch mit den Schülern stellte sich das Grundproblem der Jugendlichen der Stadt heraus, in welchem offenbar der Keim des rechten Gedankengutes liegen soll. Es ist nix los in der Stadt und nur die von der NPD machen Angebote. Der Herr vom Zentralrat versprach, wie bereits alle vor ihm auch, zu helfen. Eine Disko oder ein Fitneßraum wird doch wohl zu beschaffen zu sein. Ein Gespräch mit der Bürgermeisterin im Beisein des Herrn Kramer soll Abhilfe schaffen.
Bleibt zu hoffen, daß der Zentralrat sich mit der ein oder anderen finanziellen Geldspritze an den Kosten für ein solches Unternehmen beteiligt. Die Kasse der Stadt hat für zusätzliche freiwillige Leistungen kein Spielraum. Solche Versprechen kommen offenbar zustande, wenn gewisse einflußreiche Kreise ihre Felle davon schwimmen sehen. Fakt ist NPD im ORT zeigt Wirkung.
Nicht so offenherzig zeigte sich am Nachmittag der Initiator der Veranstaltung, der Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker von der SPD. Auf der zuvor in der Presse beworbenen Diskussionsrunde für die Bürger der Stadt waren auf einmal doch nicht alle eingeladen.
Spontan wollte nämlich der gewählte Stadtvertreter der NPD, Andreas Theißen, der Diskussion beiwohnen und am Gespräch mitwirken. Doch keine 30 Sekunden nach dem Betreten des Raumes wurde von einer Dame im Hintergrund die hysterische Frage laut, ob sich „Nazis“ hier be­tei­li­gen dürfen?
„Nein!“ lautete die entschiedene Antwort einer Verantwortlichen, welche auch sofort verlangte, daß Herr Theißen zu gehen habe. Auf Nachfrage wurde erklärt, daß eben nicht alle eingeladen sind, obwohl noch ausreichend Plätze frei waren in der Runde. Das Großaufgebot der Polizei vor der Tür verlieh der Forderung symbolischen Nachdruck. Nachdem Theißen sich der Runde gerade noch vorstellen konnte, erklärte Herr Hacker dann schnell, daß es für ihn nicht möglich sei, dieser Veranstaltung weiter beizuwohnen, denn leider fehlte ja die Anmeldung. Um echte Problemlösungen scheint es den Versammelten in dieser Runde nicht gegangen zu sein; schließlich kennt Theißen als engagierter Stadtvertreter wie kaum anderer die echten Sorgen der Menschen vor Ort.
Mit dem Wunsch eines schönen Nachmittags und dem Hinweis, daß man nun keine „Angst“ mehr haben müsse, verabschiedete sich der NPD-Vertreter ganz artig. Denn von allen konnte man den Eindruck haben, als fürchteten sie sich vor der freien Rede eines einzelnen NPD-Mannes.

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