Warum finden Asylanten eigentlich keine Geldbörsen mehr?

Als Frau Merkel im Herbst 2015 Deutschland zum herrenlosen Land erklärte, in das jeder nach Lust und Laune einwandern durfte, und daraufhin über 1 Million echter und nachgemachter Syrer aus allen Teilen der Welt ihre Claims absteckten, kam es zu einem seltsamen Phänomen.

Auf einmal verloren Deutsche in Massen ihr Geld, und die Neuankömmlinge fanden es.
Als Bargeld auf der Strasse, versteckt in alten Möbeln, zusammen mit Geldbörsen und Ausweispapieren, und immer trugen es die edlen Flüchtlinge ohne Zögern zum nächsten Fundbüro.

Die Presse war voll von solchen Geschichten. Ohne die Asylanten wären viele Deutsche jämmerlich verarmt. Aus eigener Kraft hätten sie ihre verbummelten Reichtümer sicherlich niemals wieder entdeckt.

Einer dieser Berichte war, wen wundert es, von dem „Spiegel“-Märchenerzähler Claas Relotius fabriziert worden.

Wer das heute liest, kann sich nur an den Kopf fassen. Daß ein solcher Kitsch in einem Blatt erscheinen konnte, welches sich „Nachrichtenmagazin“ schimpft!

Hier ein kurzer Blick ins Märchenbuch (Spiegel 41/2015):

Überschrift des Machwerks: „Verlust“.

So fängt es an: „ Mahmoud Abdullah, Flüchtling aus Aleppo, war gerade auf dem Weg zum Supermarkt, als er in den Straßen von Alsdorf, Großraum Aachen, eine seltsame Entdeckung machte. Er wollte einkaufen, für sich und die anderen Männer im Flüchtlingsheim, da sah er, mitten auf dem Fußgängerweg, ein leuchtend blaues Büchlein liegen“

Die Brüder Grimm hätten jetzt Rumpelstilzchen oder mindestens eine mittelprächtige gute Fee auftreten lassen.

Bei Relotius hingegen findet der gute Mahmoud in dem verlorenen Sparbuch zwei Mal 500 Euro in „geglätteten Scheinen“.

Fromm, wie er ist, denkt er zuerst an eine finanzielle Unterstützungsaktion Allahs.

Relotius:
„Er stellte sich vor, was sich mit so viel Geld anfangen ließe, aber dann, so erzählt er, dachte er an den Menschen, dem es gehörte, und daran, wie es sich anfühlt, alles, was man hat, zu verlieren. „Keiner“, sagt Abdullah, „kennt das Gefühl so gut wie ich“

So viel Edelmut hat es seit Winnetou nicht mehr gegeben.

Dann kommt Relotius auf Mahmouds Geschichte zu sprechen.

„Er arbeitete hart und baute mit den Jahren seine eigene kleine Firma auf. Drei Angestellte und ein Laden, dessen Schild seinen Namen trug, das Geschäft gab ihm den Mut, sagt Abdullah, „ die schönste Frau der Stadt zu erobern“.
Es handelte sich nicht um die Prinzessin auf der Erbse, sondern um eine Schneiderin, und „Abdullah warb so lange um ihr Herz, bis sie ihn heiratete“.

Eine orientalische Idylle. Bis der syrische Bürgerkrieg ausbrach, und nun nimmt die Geschichte eine seltsame Wendung.

Gutmensch Abdullah läßt nämlich seine Familie im Stich, die von Aleppo in die Kleinstadt Afrin gezogen war.

Relotius: „ Aber auch dort waren sie nicht sicher, also beschloß Abdullah, sich allein nach Europa durchzuschlagen, um einen Antrag auf Asyl zu stellen und seine Familie so bald wie möglich nachzuholen“. „Zusammen mit andern jungen Männern gelangte er zunächst nach Istanbul, dann über Bulgarien und weitere Länder, die er nicht kannte, bis nach Deutschland.“

Der Märchenerzähler merkt gar nicht, wie entlarvend diese Passage ist. Da ist eine Familie in Gefahr, aber der Vater setzt sich ab und reist durch lauter Länder, die Frau und Kindern hätten Sicherheit bieten können. Bulgarien und die Türkei sind ihm nicht gut genug. Also weiter, während die Familie den Bürgerkrieg genießen darf.

In Deutschland spannt Mahmoud die Behörden ein, um seine Leute ausfindig zu machen.

Jedoch: „Bald verlor sich ihre Spur. Mit jedem Tag, an dem er nichts mehr von ihr ( seiner Frau) hörte, sagt Abdullah, schwand auch seine Hoffnung, sie und seine Tochter jemals wiederzusehen.“

Natürlich hätte er sie in Syrien suchen können. Wo es allerdings gefährlich war. Und in Deutschland lebt es sich so gemütlich! Überall liegt Geld herum.

„Es war genau jene Zeit, als Mahmoud Abdullah glaubte, alles in seinem Leben verloren zu haben, da entdeckte er das Sparbuch mit dem Geld auf der Straße, 1000 Euro, das war fast das Dreifache von dem, was er monatlich vom deutschen Staat bekam.“

„Was macht man damit?“, fragt Relotius rhetorisch.

Ja, was wohl. Abdullah, ein Mann, dem das alte Seefahrermotto „Frauen und Kinder zuerst“ eher wenig bedeutete, „ging noch am selben Tag zur nächsten Polizeiwache und gab das Sparbuch mit dem Geld ab.“

Den angebotenen Finderlohn lehnte er „freundlich ab“. „Dort, wo er herkomme, sagt er, sei man nicht ehrlich, um eine Belohnung zu bekommen, sondern „um ein guter und gerechter Mensch zu sein“.

„Im tiefsten Tal seines Lebens“, so schmalzt Relotius, erwies sich Mahmoud Adullah als ehrlicher Finder.

Am Ende des Artikels wird Relotius dann doch noch zu dem Schluß gekommen sein, daß er irgendetwas mit der in Gefahr und Elend zurückgelassenen Familie machen mußte.

Kein Problem.

Jetzt griff die gute Fee wirklich ein. „Während sich ein deutscher Sommer dem Ende neigte und Lokalzeitungen über Abdullahs Schicksal berichteten, überquerten sie in einem Schlauchboot die Ägäis, legten Strecken ohne Wasser oder Nahrung zurück, die Tage dauerten, zu Fuß und in fensterlosen Bussen; wie durch ein Wunder blieben sie am Leben. Schließlich erreichten auch sie Alsdorf bei Aachen“.

Ja, wenn deutsche Sommer sich dem Ende zuneigen, können Wunder geschehen, zumindest im Spiegel.

Relotius schließt: „ Mahmoud Abdullah hat seine Heimat verloren, seine Freunde, seine Arbeit und sein Haus, aber er sagt, er habe sich nie reicher gefühlt als in diesem Moment“.

Das ist der sachliche Stil, auf den der „Spiegel“ so stolz ist. Weder die vor Kitsch triefende Sprache noch die Story von syrischen Supergirls, die weder Nahrung noch Essen brauchten, scheinen die Verantwortlichen des Blattes gestört zu haben. Drei Jahre durfte Relotius in dieser Art und Weise weitermachen.

Daß die Geschichten von ehrlichen Findern mit Asylhintergrund heute nicht mehr so häufig gebracht werden, mag daran liegen, daß sie schon damals auf massiven Unglauben bei vielen Bürgern stießen.

Entwarnung kann jedoch nicht gegeben werden. Relotius und Abdullah sind noch da!

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